Max Mustermann vielleicht eine Frau?

Berliner Verwaltung testet anonyme Bewerbung

Berliner Verwaltung testet anonyme Bewerbung

Das Land Berlin sucht „Arbeitsschutzoberinspektor-Anwärter/innen bzw. Referendare“. Seit vergangenem Freitag sind die Stellen via Zeitungsanzeigen und im Internet ausgeschrieben. So sperrig der Titel, so neu ist die Ausschreibung. Erkennbar ist das auf den ersten Blick nur an dem kleinen roten Logo und dem Text „Vielfalt fördern, anonym bewerben“ in der Ecke der Ausschreibung. Doch dahinter verbirgt sich ein Pilotprojekt der Berliner Verwaltung. Erstmals werden hier Bewerber in einem anonymisierten Verfahren ausgewählt.

Durch diese Art der Bewerbung wird nur die Qualifikation der Kandidaten ausschlaggebend. Name, Aussehen, Angaben zu Herkunft oder Religion sind im ersten Bewerbungsschritt irrelevant. So soll Diskriminierung verhindert, eine objektivere und zielgenauere Personalauswahl getroffen werden, hofft zum Beispiel Berlins Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD). Per Download-Formular oder Online-Fragebogen geben die Bewerber standardisiert ihre Qualifikationen, Abschlüsse und zum Beispiel Berufserfahrungen an. Alles andere kommt später. Jeder bekommt so eine faire Chance, egal ob Mann oder Frau, Jung oder Alt, Deutscher oder Migrant.

Chancengleichheit vor allem für Frauen und Migranten

Vor allem Frauen und Migranten profitieren von dieser Art der Bewerbung, das ist aus den Tests anderer Bundesländer schon bekannt. Auch in den USA, Frankreich, Großbritannien und Kanada ist diese Form aufgrund der größeren Chancengleichheit für die Bewerbung gang und gäbe. Dadurch bewerben sich häufiger auch Menschen, die sich sonst aufgrund schlechter Erfahrungen gar nicht erst zur Wahl gestellt hätten.

Als Kritik wird dagegen häufig angeführt, dass sich die Bürokratie und die Anzahl der Vorstellungsgespräche erhöht, Unternehmen und Verwaltungen auf diese Weise also höhere Kosten entstünden. Auch könnten Bewerber ihre sekundären Eigenschaften und Erfahrungen schwerer vermitteln.

Ob das Verfahren also irgendwann für die gesamte Berliner Verwaltung gelten wird, bleibt abzuwarten. Spätestens wenn die Bewerber zum Gespräch geladen werden, müssen sie alle wichtigen Unterlagen einreichen. Dann wird den Chefs klar, mit wem sie es zu tun haben. Wer partout keine junge Frau im Team haben will, wird sich nur schwer umstimmen lassen. Doch immerhin bekommt sie so eine Gesprächschance, die es vorher vielleicht nie gegeben hätte. Einen Versuch ist das Projekt also auf jeden Fall wert.

Über JobberBee

JobberBee ist das erste Social Network für flexible Jobs und Köpfe. Die Platt­form verein­facht das Suchen und Finden von Auf­trägen und Arbeits­kräften auf Grund­lage eines aus­gefeil­ten vier­dimensio­nalen Matchings. JETZT KOSTENLOS ANMELDEN

Hinterlasse einen Kommentar