Der Staat als Start-Up

Bund will Haushaltshilfen im Internet vermitteln

Bund will Haushaltshilfen im Internet vermitteln

Das Familienministerium der Bundesregierung plant den Aufbau einer Plattform, die gewerbliche Haushaltshilfen an private Haushalte vermitteln soll. Nicht nur der IT-Branchenverband Bitkom kritisiert den Vorstoß. Auch Start-Ups und Internetangebote wie JobberBee stehen diesem Vorhaben skeptisch gegenüber.

Die Idee der Bundesregierung ist an sich sicher löblich: Mit einem neuen Internetportal sollen berufstätige Familien entlastet und der Schwarzmarkt bekämpft werden. Familien könnten über das Angebot notwendige Unterstützung für Tätigkeiten im Haushalt, zum Beispiel beim Putzen, Aufräumen, Waschen oder Einkaufen finden. Kinderbetreuung, Pflegedienste oder „spezialisierte Handwerkerleistungen“ würden allerdings nicht Teil des Angebots sein, bestätigte eine Sprecherin des Familienministeriums. Das bundesweite Portal soll sich „an gewerbliche Anbieter haushaltsnaher Dienstleistungen richten“, sagte die Sprecherin weiter. Mit dem Aufbau der Plattform wird voraussichtlich 2015 begonnen.

Eingriff in den freien Markt

Doch die gleichen Ziele haben auch diverse andere Internet-Plattformen und Start-Ups. Und während das Angebot der Bundesregierung aus Steuermitteln bezahlt wird, finanzieren die sich alle selbst, sind auf Einnahmen und Erfolg angewiesen. Sie alle haben Investoren gefunden, die an das gestartete Projekt glauben, es finanziell unterstützen. Warum macht man ihnen von staatlicher Stelle Konkurrenz? Warum greift der Staat mit Steuermitteln in den freien Markt ein, wenn es doch Anbieter gibt, die diesen Markt bedienen?

Michael Hagedorn, Projektleiter bei JobberBee, kommentiert das Vorhaben so: „Die Nachfrage nach Arbeitskräften für haushaltnahe Dienstleistungen wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Die kompetente Vermittlung ist dabei eine wichtige Aufgabe. Um Familien im Alltag zu entlasten, setzen wir allerdings auf einen möglichst breiten Ansatz, der alle erdenklichen Tätigkeiten wie Betreuung von Kindern, Pflege oder Handwerksarbeiten mit einschließt.“

Der Erfolg einer behördlich realisierten Plattform bleibt fraglich. So lange es bereits Anbieter gibt, die diesen Markt bedienen, sollte die Bundesregierung hier nicht Steuermittel investieren und stattdessen zum Beispiel über eine vereinfachte Abgabenpolitik den Schwarzmarkt bekämpfen, Familien durch bessere Kinderbetreuungsangebote entlasten oder für noch gründerfreundlichere Verhältnisse sorgen.

Über JobberBee

JobberBee ist das erste Social Network für flexible Jobs und Köpfe. Die Platt­form verein­facht das Suchen und Finden von Auf­trägen und Arbeits­kräften auf Grund­lage eines aus­gefeil­ten vier­dimensio­nalen Matchings. JETZT KOSTENLOS ANMELDEN

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